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700 Jahre Transportmittel Nummer eins!

Der Schiffstyp Ewer stammt aus dem friesisch-holländischem Raum. Durch die frühe Handelsschiffahrt und niederländische Ansiedler in den Elbmarschen kam er in den Bereich der Niederelbe. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Ewern im Hamburger Raum

findet man ab dem 14. Jahrhundert. Für das Wattenmeer, die Niederelbe mit ihren Nebenflüssen und das Stromdelta der Hamburger Elbe war er das ideale Fahrzeug. Mit seinem platten Boden hatte er einen geringen Tiefgang und konnte in Tidengewässern gut trockenfallen. Kein Wunder also, dass gerade im Bereich der Niederelbe der Ewer sich als Schiffstyp über mehrere Jahrhunderte halten konnte und sich verschiedene Nutzungstypen herausbildeten.

Ein Ewer für's Gemüse

In den Vierlanden und Marschlanden hielt sich die ganze Zeit über mehr oder weniger die Urform des Ewers: platter Boden, spitzgatt, d.h. spitz zulaufendes Heck, Pfahlmast sowie vorne und hinten ein kurzes Halbdeck. Daraus entstand, was wir heute als Vierländer Ewer, Fruchtewer oder auch Gemüse-Ewer bezeichnen. Die Menschen die ihn seinerzeit in unserer Region bauten und fuhren bezeichneten ihn einfach als Ewer. Genau genommen wurde damals auf niederdeutsch „Ever“ geschrieben und da sie überwiegend Plattdeutsch sprachen klang die Aussprache, heute fast vergessen, wie „Eber“.

Mit den Gemüseewern wurden die Produkte der Vier- und Marschlande zu den Hamburger Märkten gebracht. Große Ewer mit einen Länge von bis zu 16 Metern erreichten eine Tragkraft von gut 50 Tonnen. Da passten schon viele Körbe voller Obst und Gemüse an Bord. Kleinere Ewer hatten eine Länge zwischen fünf und acht Metern. Bezeichnend für die Ewer war aber die Länge ihres Bodens. Dieser wurde in Hamburger Fuß gemessen. Ein Ewer mit 18 Fuß Bodenlänge war demnach ein kleiner Ewer, ein großer Ewer konnte im Boden schon 30 oder mehr Fuß aufweisen.

Auf dem Weg nach Hamburg gab es zuerst keine Brücken, die Elbe war noch nicht ausgebaggert und abgeschleust. Irgendwann entstanden die ersten Brücken, oftmals Klappbrücken, später dann auch feste Brücken. Das führte dazu, dass im Laufe der Zeit der Mast so angebracht werden musste, das man ihn umlegen konnte. Also wurde er zwischen zwei mächtige Eichenpfosten gestellt, den Koker, und mit einem Bolzen drehbar gelagert. Diese Form behielten unsere Ewer bis zu ihrer Motorisierung bei. Als Antrieb dienten den alten Ewern Wind und Strömung. Wenn der Wind nachließ oder es zum Segeln zu eng wurde, wie zum Beispiel in den Hamburger Fleeten, wurde der Ewer mit langen Holzstangen, den Schiebebäumen, durch das Wasser geschoben oder wie wir sagen „gestaakt“. Kleinere Gemüse-Ewer konnten auch gerudert werden.

Die Besegelung der Ewer bestand ursprünglich aus einem Rahsegel. Später kam dann das Sprietsegel auf, bei dem das Segel durch eine Holzstange, einen Baum, gespreizt wird. Diese Form hielt sich bei den kleinen Ewern bis zum Ende. Bei großen Ewern wurde im frühen 19. Jahrhundert das Schotsegel eingeführt, ein Segel, das an einer Gaffel gefahren wird und dessen untere Kante nicht an einem Giekbaum, einer Holzstange, befestigt ist. Wenn wir heute von der Besegelung der Gemüse-Ewer sprechen, haben wir ein Schiff mit einer Fock als Vorsegel und einem Schotsegel als Großsegel vor Augen. Die Färbung dieser Segel war rötlich-braun, da sie mit Lohe imprägniert waren.